So verbessern Sie durch Automatisierung nachhaltig Ihre Ergebnisse
von Rainer Greive
Eine Möglichkeit, dem zunehmenden Margendruck in der Druck- und Verpackungsindustrie zu entkommen und das Ergebnis nachhaltig zu verbessern ist die Automatisierung der Unternehmensprozesse. Mit ihr lassen sich Effizienzgewinne in der Wertschöpfungskette erzielen und strukturelle Wettbewerbsvorteile schaffen. Jetzt ist die beste Zeit, um das zu nutzen.
Automatisierung ist in der Druckindustrie längst kein Zukunftsthema mehr, sondern fester Bestandteil der kontinuierlichen Verbesserung von betrieblichen Abläufen. Oft fehlt es nicht an Automatisierungsansätzen, sondern an wirtschaftlichen Lösungen, die sich nach zwei bis drei Jahren amortisieren. Die gute Nachricht ist: viele Hersteller haben das erkannt und arbeiten genau daran. Alle haben dabei das Ziel, Prozesse so weit wie möglich zu standardisieren, manuelle Eingriffe und Tätigkeiten zu reduzieren und eine durchgängige digitale Prozesskette zu etablieren. Dabei lassen sich drei Richtungen erkennen:
Weniger Personal
Durch automatisierte Workflows in der Auftragsbearbeitung, Druckvorstufe und Produktion sollen manuelle Tätigkeiten deutlich reduziert werden. Routinetätigkeiten und körperlich belastende Arbeiten können so minimiert oder ganz ersetzt werden. Automatisierung spart damit Personalkosten und wirkt dem wachsenden Fachkräftemangel in unserer Industrie entgegen.
Mehr Leistung
Automatisierte Prozesse ermöglichen eine höhere Geschwindigkeit und Stabilität in der Produktion. Rüstzeiten werden verkürzt, Durchlaufzeiten reduziert und Maschinenlauf-zeiten optimiert. Besonders relevant wird dies, wenn manuelle Tätigkeiten die Produktionsgeschwindigkeit begrenzen. Automatisierung hilft, mit weniger Personal mehr Output zu erzielen.
Bessere Qualität
Durch standardisierte Abläufe und weniger manuelle Eingriffe sinkt die Fehleranfälligkeit. Gleichzeitig steigt die Prozesssicherheit, was sich unmittelbar in einer höheren und konsistenteren Produktqualität niederschlägt. Kontroll- und Prüfprozesse können automatisiert werden, so dass die Qualität auch bei weniger erfahrenem oder häufig wechselnden Personal konstant bleibt.
In jedem Fall steigt das Betriebsergebnis, bei gleichzeitig höherer Unabhängigkeit von personellen Engpässen. Soweit die Theorie.
Um zu verstehen, wo sich durch Automatisierung wirklich Geld sparen lässt, haben wir eine Marktstudie durchgeführt und den tatsächlichen Grad der Automatisierung in den Betrieben der Druck- und Verpackungsindustrie ermittelt. Das Ergebnis: Selbst die erfolgreichsten Unternehmen sind häufig nur in Teilbereichen vollständig automatisiert. Im Durchschnitt liegt der Automatisierungsgrad in der Abteilung „Druck“ bei rund 72%, wobei 100% einer Vollautomatisierung entspricht. Dagegen ist er im Bereich CTP bei rund 47% und im Versand/Lager lediglich bei 37%. In der Weiterverarbeitung schwankt der Automatisierungsgrad je nach Arbeitsschritt zwischen 33% und 64%.
Offensichtlich ist in unserer Industrie noch reichlich Potential für Automatisierung vorhanden. Doch wie können Sie diese Potenziale für Ihr Unternehmen systematisch erschließen? Folgendes Vorgehen hat sich praktisch bewährt.
1. Ermitteln Sie Ihren Automatisierungsgrad
In unserer Studie haben wir den Automatisierungsgrad von Unternehmen anhand einer einfachen Kennzahl ermittelt, die sich aus dem Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Stand der Automatisierung eines Prozesses und der technisch und organisatorisch maximal möglichen Automatisierung ergibt. Die so errechnete Maßzahl (0% bis 100%) zeigt Ihnen den Status quo und das vorhandene Potential. Benchmarks können Ihnen zusätzliche Orientierung liefern, indem Sie Ihnen zeigen, wo Sie im Wettbewerbsvergleich stehen.
2. Setzen Sie sich Automatisierungs-Ziele
100% Automatisierung ist oft wünschenswert, aber nicht immer ein erstrebenswertes Ziel. Setzten Sie sich deshalb realistische Ziele, bis wohin die Automatisierung Ihrer Prozesse betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Dabei sollte betrachtet werden, wo z.B. besonders viel manueller Aufwand entsteht, besonders viele Fehler passieren, oder Prozesse verzögert und deshalb langsam sind. Verlassen Sie sich dabei nicht auf Vermutungen, sondern messen Sie genau nach. Je mehr Potential Sie finden, desto besser. Erstellen Sie abschließend eine Prioritätenliste der einzelnen Automatisierungsansätze.
3. Finden Sie die passende Lösung
Screenen Sie den Markt nach geeigneten Automatisierungslösungen und -anbietern. Das ist aufwändig, denn das Herstellerumfeld wächst dynamisch. Bei unseren Recherchen zur Automatisierung im Rahmen der Studie haben wir über 250 Unternehmen identifiziert, die sich mit der Automatisierung der Wertschöpfungskette in der Druckindustrie beschäftigen. Im Umfeld der Verpackung ist die Zahl eher noch größer. An dieser Stelle macht es Sinn, externe Fachleute zu Rate zu ziehen, um herauszufinden, welche Lösungen für Ihr Unternehmen sinnvoll sind. Haben Sie passende Lösungen identifiziert, holen Sie sich verschiedene Angebote ein und bewerten Sie diese technisch und wirtschaftlich.
4. Rechnen Sie genau
Automatisierung folgt einem zentralen Ziel: sie muss sich rechnen. Die zentrale Kennzahl dafür ist der Return on Investment (ROI). Er gibt an, wie lange es dauert, bis die Ausgaben für eine Investition durch gesunkene Kosten ausgeglichen sind. Legen Sie deshalb fest, wie lange die Amortisationsdauer maximal sein darf, und berechnen Sie, wie hoch die Kosteneffekte aus der Investition sein werden.
Berücksichtigen Sie dabei, dass zeitliche Einsparung an einer Kostenstelle zusätzliche Kapazität liefert, um mehr Output und somit mehr Wertschöpfung zu generieren. Dadurch erhöht sich der monetäre Effekt der Automatisierung. Integrieren Sie diese Zahlen in Ihr Controlling und erfassen Sie die Effekte der Investition, um zu prüfen, ob die Automatisierung auch hält, was Sie sich davon versprochen haben.
Neben den direkten Kosteneffekten lohnt es sich auch, qualitative Faktoren, wie z.B. ergonomische Verbesserungen für Ihre Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Ein reduzierter Krankenstand ist bares Geld.
5. Handeln Sie konsequent
Nutzen Sie die Automatisierungspotentiale in Ihrem Unternehmen, investieren Sie schrittweise und priorisieren Sie streng nach der Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit. Binden Sie frühzeitig Ihre Mitarbeitenden mit ein. Das schafft Akzeptanz und alle ziehen mit. Schaffen Sie in der Umsetzung klare Projektstrukturen und denken Sie an ein sorgfältiges Change Management, denn jede Automatisierung ist auch eine starke Veränderung im Unternehmen. So stellen Sie sicher, dass Automatisierung bei Ihnen zum Ergebnis-Booster wird.